Von der Stecknadel bis zum Auto soll jeder Europäer etwa 10.000 Dinge besitzen. An die meisten verschwenden wir keinen Gedanken, aber manche begleiten unser Leben. Sie erinnern uns an Kindheit, vergangene Lieben, ein Versprechen, das wir gegeben haben. 

 

Oder an besondere Menschen und schöne Momente. Die Nummer 100 in jeder Ausgabe von FELD 100 ist den fünf Lieblingsdingen einer Person gewidmet, die Geschichten dahinter entstehen in Kooperation mit Fünf Dinge, einer Website der Journalistinnen Dorothea Sundergeld (Hamburg) und Okka Rohd (Berlin) und der Artdirektorin Karolina Stasiak (Wien/Berlin).

www.fuenfdinge.de ist seit dem 10. August 2011 online.

 

Susanne Junker, Fotokünstlerin und Betreiberin eines Art Space in Shanghai, wohnt in Paris und Shanghai. www.susannejunker.com, www.stage-back.org

 

Ringblitz

Welche Kamera ich benutze, ist mir relativ egal, aber der Ringblitz ist genau das Licht, das ich für meine Fotos brauche. Er ist klein, passt in mein Reisegepäck (denn ich bin viel unterwegs), und er macht ein knalliges, cooles Licht. Man hat große Beweglichkeit mit ihm, denn man muss ihn nicht auf die Kamera aufstecken. Man kann ihn mit der Hand halten oder sich auf das Handgelenk stecken. Er macht einfach Spaß.

Vibrator

Dazu muss man wohl nicht viel erklären ... Oder doch: Ich finde, Frauen sollten mehr masturbieren. Ungefähr ein- bis fünfmal am Tag. Denn es katapultiert den Spirit, das Wohlbefinden. Es ist fast wie eine Meditation, es ruht aus und macht einfach wunderbare Laune. Wenn Frauen sich öfter einen Orgasmus verschaffen würden, bräuchten sie nicht so teure Hautcremes, denn sie sähen ganz von selbst jünger und besser aus. Es gibt diese alte Szene aus Sex and the City, aber sie ist wirklich zutreffend: Die vier treffen sich, und als Samantha ankommt, fragen alle: »Wow, du siehst toll aus, was hast du gemacht?« Samantha sagt: »Well, I masturbated all afternoon.«

Ich hatte auch schon peinliche Vibrator-Momente. Früher, als ich noch als Model arbeitete, war ich einmal auf einer Show in Dallas, und als ich in der Kabine saß und geschminkt wurde, fing auf einmal mein Koffer an zu surren. Ich musste ihn aufmachen, das Ding ausstellen – und es war mir echt unangenehm, weil es natürlich alle mitgekriegt hatten. Die Frau, die mein Make-up machte, war allerdings total nett. Sie sagte mit dem breitesten Südstaatenakzent: »Don’t worry honey, mine glows in the dark.«

Rolex

Ich bin in einer ganz normalen Familie aufgewachsen. Luxusgegenstände gab es bei uns nicht. Als ich das erste Mal richtig Geld verdiente, wollte ich mir unbedingt eine Rolex kaufen. Ich weiß noch heute, wie das war. Ich war mit meinem damaligen Freund und meinem Bruder in Paris. Wir gingen in die Rue de Rivoli, suchten die Uhr aus, gingen Mittag essen, kauften sie und waren danach noch im Ritz einen Champagner trinken. Ich war 22, und natürlich ist das einfach nur ein Statussymbol. Aber für mich ist diese Uhr sehr wichtig. Vielleicht weil ich sie mir selbst gekauft und nicht von einem Freund geschenkt bekommen habe. Und sie ist eines der wenigen Dinge, die ich noch nie verloren habe. Sonst verliere ich ständig Dinge. Einmal hatte ich so eine Panik, die Uhr zu verlieren, dass ich sie im Gefrierfach depo- nierte. Leider vergaß ich das dann und suchte sie wochenlang. Irgendwann öffnete ich das Gefrierfach, und die Uhr saß da und grinste mich an. Ein anderes Mal wäre sie mir fast abhandengekommen, weil ich überfallen wurde. Wir fuhren durch Paris mit dem Auto, das Fenster war offen, und neben mir hielt ein Roller, und ein Typ versuchte, mir die Uhr vom Handgelenk zu reißen. Zu der Zeit ging es mir nicht besonders gut, und ich hatte gerade überlegt, die Uhr zu versetzen. Als der Typ an meinem Handgelenk und meinen Haaren herumriss, entwickelte ich eine unglaubliche Wut. Nachher lag die Uhr mit kaputtem Armband auf dem Boden des Autos, und mir waren büschelweise Haare ausgerissen. Aber die Rolex ist bei mir geblieben.

Araki-Polaroid

Es ist das erste Kunstwerk, das ich mir gekauft habe. Zugegeben – es ist eigentlich ein Schnäppchen-Araki. Diese Polaroids werden auf Messen massenweise angeboten. Dennoch: Es ist ein Kick, sich das erste Mal ein Stück Kunst zu kaufen. Wirklich ein anderes Thema als eine Handtasche oder ein Paar Schuhe. Und ich liebe dieses Bild, weil es ein so un- gewöhnlicher Araki ist. Normalerweise sieht man bei ihm gefesselte Frauen. Hier ist eine Puppe gefesselt und noch dazu auf den Kopf gestellt, wodurch es eine ko- mische Satanismus-Anspielung wird, was eigentlich überhaupt nicht Arakis Thema ist. Josh (mein Ehemann) schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als ich mit diesem Bild ankam. »Mensch, Susi, 500 Euro für ein Polaroid?!« Aber nun ist es da. Und bleibt.

International Art Diary

Eigentlich mache ich heute fast alles Schriftliche mit dem iPhone oder dem Computer. Aber letztes Jahr schenkte mir Josh das International Art Diary zu Weihnachten. Darin sind alle großen internationalen Kunstveranstaltungen gelistet, es gibt ein paar Stadtpläne und viel Platz für Notizen. Seitdem habe ich mir angewöhnt, wieder Sachen aufzubewahren. Tickets, Einladungen, Eintrittskarten, Kritzellisten. Am Ende vom Jahr liegt dann ein Berg von Kram auf meinem Schreibtisch, und ich klebe alles ein, was wichtig war – und schreibe wieder mit der Hand. Das ist ein bisschen altmodisch, aber sehr schön.