Auf einem Berliner Hofgrundstück baute sich ein Architektenpaar ein Haus zum Leben und Arbeiten. Mit minimalistischem Sichtbeton, harmonischen Farbwelten und einem grandiosen Blick ins Grüne. Berlin ist ein Dorf, zumindest hier, hinter der Fassade der Bernauer Straße Nr. 5. Wer durch die Hofeinfahrt geht, lässt den Mitte-Trubel hinter sich. Ein schmaler Fußweg krümmt sich wie ein mittelalterliches Gässchen, gesäumt von Kinderspielzeug und Fahrrädern. Nur stehen hier keine alten Mauern, sondern modernste Reihenhäuser dicht an dicht. 16 Bauherren haben sich, im Grenzbereich zwischen Mitte und Wedding, innovative Wohn- und Arbeitsstätten errichtet. Dass es mitten in der Stadt solche Grundstücke gibt, haben sie der deutschen Teilung zu verdanken. Jahrzehnte lang verlief hier die Mauer und hinterließ mitten im Stadtgebiet eine grüne Narbe. Bis 2000 dauerte die Restituierung, 2005 teilte man das Areal in Parzellen auf, die in Erbpacht an eine Gruppe von Bauherren verkauft wurden – die meisten von ihnen Architekten, Kreative und Filmschaffende.

Das Grundstück, das sich die Familie Ludloff aussuchte, war nicht groß (160 m2), aufgrund seiner Lage in der Kurve leicht trapezförmig geschnitten und nach Süden ausgerichtet. Kein einfacher Schnitt, aber beste Bedingungen, um einem Haus mit kleiner Grund- fläche (ca. 60 m2) zum großen Auftritt zu verhelfen: Wer heute durch die Tür der dunklen Reihenhausfassade tritt, wird an sonnigen Tagen vom leuchtenden Grün des Gartens geblendet, das durch die Glas- fassade auf der breiten Südseite scheint.

Die Eingangshalle im Erdgeschoss ist der zentrale Raum des Hauses. Hier werden tagsüber Meetings abgehalten und Kundengespräche geführt – das Architekturbüro liegt im Untergeschoss –, abends wird an dem vier Meter langen Tisch mit Familie und Freunden gesessen, geredet, gegessen. „Wir wollten das Reihenhaus als Einraumgebäude neu definieren“, erklärt Laura Fogarasi-Ludloff, „ein offenes Haus, in dem man die Großzügigkeit des Raumes auf jeder Etage erleben kann.“ Die Atmosphäre wandelt sich von einem Stockwerk zum anderen, was die Architekten vor allem durch den Einsatz von Farbe erreicht haben. Im Erdgeschoss, wo gearbeitet und kommuniziert wird, sind die Wände in sachlichen Grau- und Blautönen gehalten. Die „Kinderetage“ im ersten Stockwerk ist weiß und ochsenblutrot, das private Wohnzimmer ganz oben in zwei kräftigen Orangetönen gestrichen. „Je privater die Nutzung des Raumes, desto kräftiger haben wir die Farben gewählt“, erklärt Laura Fogarasi-Ludloff. Ganz oben, im Treppenhaus, ist die Decke himmelblau, um die Höhe des Raumes zu betonen. Weil die vier Etagen des Hauses ansonsten von Sichtbeton und glatten Linoleumböden geprägt sind, wirkt das Farbenspiel an keiner Stelle zu bunt.

„Das Schöne daran ist ja“, sagt Laura Fogarasi-Ludloff, „dass man nur einen Topf neuer Farbe kaufen muss, wenn man etwas an seiner Umgebung ändern will.“ In den vier Jahren, seit die Architektenfamilie hier lebt, hat sie sich allerdings noch an keiner der Farben übersehen, dafür wurde ihr Heim mit dem „Häuser-Award“ ausgezeichnet.